Lotta

13.09.2020

Am Abend des 05.09.2020 entlief Lotta ihrer Pflegestelle in Mannheim-Neckarau. Da die kleine Hündin keinerlei Menschenbezug hatte, boten wir unsere Hilfe an. Wir begannen, Flyer zu drucken und an den verschiedenen Sichtungspunkten Futterstellen einzurichten.

Die kleine Hündin legte bereits während des ersten Tages zahlreiche Kilometer zurück und lief bis auf Höhe des Victoriaturmes. Alle Versuche, Lotta zu stoppen und an eine Futterstelle zu binden, schlugen fehl. Stattdessen rannte sie immer weiter und mit jeder gemeldeten Sichtung wurde unsere Sorge um die Hündin größer!

Am Morgen des 08.05. erreichte uns abermals eine schockierende Nachricht: Lotta lief inmitten der Gleise des Neckarauer Bahnhofes. Kurz danach überquerte sie die Hauptverkehrsstraße, um zu ihrem Zuhause zurückzulaufen. Dabei versuchte ein aufmerksamer Passant die Hündin von Hand zu sichern und schaffte es, sie mithilfe von Leckerlies anzulocken. Doch kurz bevor er sie fassen konnte, biss sie kräftig zu und rannte daraufhin weiter in Richtung ihres Zuhauses.

Unsere Hoffnung war groß: Würde sie die im Hof eingerichtete Futterstelle wahrnehmen und zurückkehren? Und siehe da: Lotta nahm die Witterung auf! Sie stand bereits mit den Vorderbeinen im Hof, als sie von herannahenden Personen verjagt wurde. Völlig durch den Wind nahm Lotta Fahrt auf und legte wieder mehrere Kilometer zurück.

Trotz des Rückschlages hofften wir, Lotta könne in der Nacht zurückkehren. Daher entschlossen wir uns, eine Falle im Hof der Besitzer aufzubauen. Da unsere eigentliche Falle aus Platzgründen nicht verwendet werden konnte, benötigten wir eine deutlich kleinere Variante. Nach einem kurzen Anruf erklärte sich Anke Grehl bereit, uns ihre Falle zur Verfügung zu stellen. Noch am selben Tag bauten wir sie gemeinsam auf, bestückten sie und hofften inständig, dass Lotta noch einmal ihren gesamten Mut zusammen nehmen würde. Doch weit gefehlt: Die Hündin kehrte nicht zurück.

In den darauffolgenden Tagen erhielten wir zahlreiche Sichtungen, die teilweise mehrere Kilometer auseinander lagen Dabei häuften sich jedoch die Sichtungen im Bereich des Rheinufers, sodass wir uns entschlossen, dort eine zusätzliche Falle aufzustellen. Nachdem wir hierfür eine Genehmigung eingeholt hatten, bauten wir diese auf und bestückten sie mit allem, was das Hundeherz begehrt. Doch obwohl wir den gesamten Abend Sichtungen aus diesem Bereich erhielten, kam Lotta kein einziges Mal an der Falle vorbei.

Also spurten wir am Morgen des 11. Septembers noch einmal großflächig, sodass wir sicher sein konnten, dass Lotta die Fährte aufnehmen würde. Und dieses Vorhaben zeigte Wirkung! In der Nacht meldete unsere Livekamera, dass die schlaue Hündin bereits im Eingang der Fall stand.

Glücklich bestückten wir die Falle am 12. September erneut und warteten gespannt ab. Doch dann erreichte uns eine Hiobsbotschaft: Neben dem angekündigten RhineCleanUp sowie einer Großdemonstration, fand zusätzlich eine Hochzeit direkt auf dem Grundstück neben der Falle statt. Doch damit nicht genug: Gegen 21 Uhr sollte dort ein mehrminütiges Feuerwerk gezündet werden. Trotz mehrerer Gespräche war es nicht möglich, die Hochzeitsgesellschaft davon abzubringen. Es wurde jedoch versichert, dass das Feuerwerk ohne Lärm stattfinden würde. Doch weit gefehlt! Am Abend knallte es dort so laut, dass es noch auf dem gegenüberliegenden Rheinufer zu hören war! Und eines war klar: So konnten wir Lotta nicht sichern.

Am darauffolgenden Tag erhielten wir kein einziges Lebenszeichen. Wir machten uns große Sorgen: Waren die Ereignisse des vorherigen Tages nun endgültig zu viel? Hatte sich Lotta in ihrer Panik womöglich verletzt? Oder war sie abgewandert?
Doch trotz unserer Sorge gaben wir nicht auf! Wir bestückten die Falle erneut mit zahlreichen Leckereien und hofften inständig, dass Lotta noch einmal zurückkehren würde. Und dann ging alles schnell: Um 21.15 Uhr meldete die Livekamera, dass die mutige Hündin bereits in der Falle stand. Keine halbe Minute später durchkreuzte sie die Lichtschranke, das Tor fiel zu und sie war endlich in Sicherheit!

Wir konnten unser Glück kaum fassen! Lotta hatte ihren 8-tägigen Ausflug quer durch die Mannheimer Innenstadt unbeschadet überstanden! Wir verluden die Hündin und übergaben sie dem vermittelnden Verein.

Ende gut – alles gut!

Wir möchten zunächst der Pflegestelle für ihr Vertrauen und ihre Mithilfe danken!
Tausend Dank an Kristina, Tamara, Sibylle und Anke, ohne die Lottas Sicherung nicht möglich gewesen wäre!
Ein riesiges Dankeschön auch an den Polizeiposten Neckarau!
Lieben Dank an alle, die geflyert und Lottas Suchmeldung geteilt haben!

Ihr seid alle ein Teil dieses Erfolgs!

Euer HEBW-Team