08.07.2025
Am 29.06.2025 nutzte Leo einen unbeobachteten Moment und entlief durch das offenstehende Gartentor seines neuen Zuhauses. Da er bislang keinerlei Nähe zu Menschen zuließ und sich Annäherungsversuchen konsequent entzog, wandten sich seine Besitzer telefonisch an uns. Zum Zeitpunkt seines Entlaufens trug Leo glücklicherweise einen Tracker – allerdings mit nur noch wenig Restakku. Trotzdem wollten wir diesen kleinen Vorteil nutzen und machten uns sofort auf den Weg.
Vor Ort kochten wir gemeinsam Spurwasser, druckten Flyer und richteten sowohl am Entlaufort als auch rund um den aktuellen Aufenthaltsort von Leo mehrere Futterstellen ein. Unsere Hoffnung war, dass er – sobald er sich bewegen würde – früher oder später über eine dieser Futterstellen stolpern würde. Gespannt beobachteten wir sein Verhalten und warteten, ob er eine der Futterstellen finden würde – doch zunächst blieb alles ruhig.
Auch am nächsten Morgen hatte sich an Leos Position im Wald nichts verändert. Er befand sich weiterhin an derselben Stelle. Da es an diesem Tag erneut deutlich über 30 Grad warm werden sollte, entschieden wir uns, näher an ihn heranzugehen, um Wasser und Futter direkt in seiner Nähe zu platzieren. Doch der Plan ging nicht auf: Leo ließ sich stattdessen auf einer angrenzenden Obstwiese nieder und blieb dauerhaft dort. Da er keinerlei Anstalten machte, sich von diesem Ort zu entfernen, richteten wir am Nachmittag auch dort eine Futterstelle ein – notfalls, um ihn auf diesem Weg wieder in den Wald zurückzubewegen. Und tatsächlich: Der Plan funktionierte. Leo verließ die Wiese und zog sich wieder in den nahegelegenen Wald zurück. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir insgesamt fünf Futterstellen rund um sein Aufenthaltsgebiet eingerichtet und hofften, dass er eine davon annehmen würde.
Doch gerade, als wir uns am Abend ins Bett legen wollten, sahen wir plötzlich auf dem Tracker, dass Leo offenbar die Waldseite wechselte und über die Brücke der Bundesstraße in Richtung Mühlhausen unterwegs war. Eine der Kameras an der Futterstelle löste zeitgleich mit der letzten Positionserfassung des Trackers aus – doch Leo ignorierte die Futterstelle und lief daran vorbei. Angesichts der hohen Temperaturen wurden wir zunehmend unruhig. Fassungslos starrten wir auf den Bildschirm! Der Akku des Trackers zeigte nur noch 4 % – viel Zeit blieb nicht mehr, bevor wir uns ausschließlich auf Sichtungen verlassen mussten.
Am Morgen des 01.07. sahen wir, dass sich Leo im Bereich der Tennisplätze in Mühlhausen niedergelassen hatte. Anhand der letzten Tracker-Daten konnten wir seinen Laufweg nachvollziehen und richteten in den frühen Morgenstunden eine strategisch platzierte Futterstelle entlang dieser Route ein – in der Hoffnung, dass er früher oder später daran vorbeikommen würde. Kurz darauf stand dann leider fest: Der Tracker war endgültig leer!
Nun vergingen ein Tag und eine Nacht ohne ein einziges Lebenszeichen. Es war frustrierend – wir kannten seine Aufenthaltsorte, hielten alle Futterstellen aktiv, obwohl sie mehrfach täglich von fremden Hunden geplündert wurden, doch Leo ignorierte sie konsequent. Dennoch blieb uns nichts anderes übrig, als so weiterzumachen! Also wurde auch am Abend des 02.07. erneut alles vorbereitet und bestückt. Und endlich zahlte sich die Ausdauer aus: In der Nacht vom 02. auf den 03.07. zeichnete eine unserer Kameras einen fressenden Hund auf – es war Leo! Er befand sich nach wie vor im Bereich der Tennisplätze und hatte offenbar nun doch den Weg zu einer Futterstelle gefunden.
Aufgrund seiner Gebietstreue und der anhaltenden Hitze entschieden wir uns, noch am selben Tag die Falle aufzustellen. Nach Einholung der entsprechenden Genehmigung stellten wir diese auf und bestückten sie mit verschiedensten Leckereien. Dann hieß es: Abwarten und hoffen!
Doch Leo wäre nicht Leo, wenn er sich nicht doch wieder umentschieden hätte. Anstatt erneut an den Ort der Falle zurückzukehren, überquerte er stattdessen die Brücke und fraß – ausgerechnet – an einer der vorherigen Futterstellen, die er noch wenige Tage zuvor völlig ignoriert hatte. Es war zum Verzweifeln!
Doch damit nicht genug: Am 04.07. erreichte uns eine Sichtungsmeldung aus einem Waldstück in Östringen – Leo schien eine beachtliche Strecke zurückgelegt zu haben. Voller Hoffnung hielten wir zunächst weiterhin alle bestehenden Futterstellen samt Lebendfalle aktiv, in der Hoffnung, dass er doch noch zurückkehren würde. Doch nach einer weiteren Nacht ohne jegliches Lebenszeichen wurde uns klar: Die Chancen standen schlecht und wir würden in Östringen wohl wieder bei null anfangen müssen.
Also begannen wir auch dort, großflächig zu flyern sowie Futterstellen an Sichtungspunkten einzurichten. Und auch im Östringer Wald ließ sich Leo wieder Zeit, eine der Futterstellen anzunehmen. Wir waren zunehmend mit unserem Latein am Ende: Zunächst schien er sich lange Zeit zu lassen, überhaupt eine der Futterstellen anzunehmen und nachdem er dort seinen Hunger und Durst stillen konnte, einfach nicht mehr zurückzukehren. Als wir gänzlich verzweifelt waren, kam es zu der Wendung, auf die wir so lange gehofft hatten:
Nach einer weiteren Sichtungsmeldung am 06.07. warfen wir abermals einen Blick auf die Laufkarte – und entdeckten dabei das fehlende Puzzleteil. Leo schien regelmäßig zwischen dem Waldareal und dem angrenzenden Wohngebiet zu pendeln. Also richteten wir eine strategisch platzierte Futterstelle direkt an seinem Laufweg ein. Und tatsächlich: Um 20:42 Uhr meldete unsere Livekamera einen hungrigen Leo. Um sicherzugehen, dass er die Stelle erneut aufsuchen würde, füllten wir direkt um 21.30 Uhr frisches Futter nach. Aus der Ferne beobachtete er uns aufmerksam – doch dieses Mal schien der Groschen gefallen zu sein. Auch die zweite Portion wurde restlos gefressen. Endlich hatte er das Prinzip verstanden!
Soweit so gut – daher beschlossen wir zügig, am nächsten Tag die Falle aufzustellen. Leider kippte jedoch bei einigen Anwohnern allmählich die Stimmung. Da Leo immer wieder gesichtet wurde, entstand der Eindruck, es würde nicht genug unternommen. Auch ein klärendes Gespräch konnte die Bedenken leider nicht ausräumen. Trotzdem ließen wir uns nicht entmutigen und stellten am Abend des darauffolgenden Tages die Falle neben der angenommenen Futterstelle. Wie gewohnt wurde sie sorgfältig bestückt – dann begann erneut das Warten…
Doch an diesem Abend blieb Leo plötzlich fern. Wie sich herausstellte, war er zwischenzeitlich von Anwohnern gefüttert worden – was seine Rückkehr verzögerte. Trotzdem gaben wir nicht auf! Wir versuchten, ruhig zu bleiben und weiter an unseren Plan zu glauben.
Also füllten wir auch am 08.07. gegen Mittag erneut alles auf, um rechtzeitig vor Einbruch der Abenddämmerung vorbereitet zu sein. Gegen 17.14 Uhr meldete die Livekamera Bewegung – allerdings nicht von Leo. Stattdessen fraßen zwei freilaufende Hunde seelenruhig über fünf Minuten hinweg die frisch bestückte Falle leer, während ihre Besitzer danebenstanden und rätselten, warum das Fallentor nicht auslöste.
Jetzt wurde es kritisch: Wir wussten, dass Leo – falls er an diesem Abend erscheinen würde – nicht mehr lange auf sich warten ließe! Alles musste neu beschafft und vorbereitet werden. Also hieß es: Keine Zeit verlieren – und sofort wieder loslegen.
Und siehe da – kaum waren wir gegangen, erschien Leo! Vorsichtig fraß er zunächst den Napf am Eingang der Falle leer. Dann ging er zielstrebig zum hinteren Napf – und um 20:30 Uhr meldete der Fallenmelder die erlösende Nachricht: FANG! Unsere Freude war riesengroß.
Wir brachten Leo samt Lebendfalle in unsere Garage, um ihn dort sicher ausladen und sichern zu können. Seine Besitzer sind nun mit einem gut sitzenden Sicherheitsgeschirr ausgestattet – bereit für eine glückliche gemeinsame Zukunft!
An diesem Abend fielen wir alle erschöpft ins Bett – und Leo in sein Körbchen.
Ende gut, alles gut!
Unser Dank gilt zuerst Leos Besitzern – für ihr Vertrauen und ihren unermüdlichen Einsatz!
Danke auch an Hannah für ihr riesiges Engagement.
Ein herzliches Dankeschön an Vanessa, Julia, die kooperative Jägerschaft, das Polizeirevier Bad Schönborn sowie an all unsere fleißigen Flyerhelfer.
Ihr alle wart Teil dieses Erfolgs!
Euer HEBW-Team
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